Widersprüche in der Bibel
scheinbar oder echt?
Vor kurzem war ich in einem Gottesdienst, da hat der Prediger etwas sehr Überraschendes für mich gesagt: "Der wichtigste Grund, warum wir auf die Bibelschule gehen, ist daß wir anschließend die scheinbaren Widersprüche in der Bibel aufklären können".
So banal dieser Satz klingt, so richtig finde ich ihn.
Da gibt es zunächst einmal diejenigen Widersprüche, die rein sachlicher Art sind. Man fragt sich, wie können diese entstehen? Es ja so, daß verschiedene Bücher der Bibel dieselbe Zeit oder sogar dieselbe Situation beschreiben. Nun sollte man meinen, daß diese verschiedenen Berichte dann auch bis ins Detail übereinstimmen sollten, wenn es sich wirklich um Gottes Wort handelt, oder? Das ist scheinbar an manchen Stellen nicht der Fall. Wenn Sie eine gute Übersicht über solche vermeintlichen Widersprüche haben möchten, dann sollten Sie im Internet nach einem Dokument 101_klare_Widersprueche_in_der_Bibel.pdf suchen, Sie finden es bestimmt. Ich möchte es hier nicht zum Download anbieten und auch keinen Link darauf setzen, um den Autor nicht zum Zorn zu reizen.
Ein Beispiel für einen solchen scheinbaren Widerspruch sachlicher Art ist nachfolgend gegeben:
Frage: "Wie viele Seelen des Hauses Jakob kamen nach Ägypten? Waren es a) 70 Seelen (nach 1. Mose 46,27) oder b) 75 Seelen (Apostelgeschichte 7,14)?"
Antwort: beide Zahlen sind korrekt. Stephanus in Apg 7,14 zitierte die Zahl nach der griechischen Übersetzung des Alten Testaments, die nach 4. Mose 26,29.35-36 auch die später geborenen Enkel Josefs hinzuzählt und somit in 1Mo 46,27 und 2Mo 1,5 die Zahlen auf 75 korrigiert. Der Hebräische Text zählt nur die beiden Söhne Josefs hinzu und kommt deshalb auf 70.
Wie man sieht, lässt sich ein scheinbarer Widerspruch aufklären, wenn man genügend Kenntnisse insbesondere in der Geschichte und den Lebensumständen der Personen der Bibel hat. Nun gibt es zahlreiche Bibellehrer, die sich mit solchen Widersprüchen beschäftigen, denn es macht ja auch Spaß, sich solcher Dinge anzunehmen.
Einer dieser gesegneten Menschen ist Karl-Heinz Vanheiden, der hier
http://www.kh-vanheiden.de/Bibelwid/index.htm
einiges dazu zusammengestellt hat.
Das alles ist am Anfang sehr spannend aber irgendwann, wenn dann 30 oder sogar 40 solcher Widersprüche nacheinander aufgeklärt sind, dann wird die Sache für mich müßig. Soll ich nun hoffen, daß sich der 101te Widerspruch nicht aufklären lässt? Und wenn sich keine Erklärung ergibt, liegt es daran, daß der arme Erklärer nicht genug Kenntnisse hat, um den Widerspruch aufzuklären? Für mich steht fest: Die Bibel ist Gottes Wort und deshalb frei von Widersprüchen. Wenn jemand einen guten Grund hat, mir das Gegenteil zu beweisen, bitte schön. Aber bitte komme der nicht damit, daß zwei Zahlen an zwei Bibelstellen verschieden sind, wo sie doch dasselbe sein sollten.
Dann gibt es aber nicht nur Widersprüche sachlicher Art, also wo scheinbar an einer Bibelstelle "schwarz" steht und an einer anderen, dazu korrespondierenden Bibelstelle "weiß".
Es gibt auch scheinbare Unterschiede, was den konkreten Willen Gottes angeht. Das geht theologisch sehr tief und es hat auch zu tiefgreifenden Konflikten in der Gemeinde Jesu geführt. Ich nenne nur die Stichworte "Arminianer" und "Hyper-Calvinisten", die sich gegenseitig unter Berufung auf die Bibel ausspielen wollten, anders kann ich das in der Rückschau nicht bezeichnen. So etwas muß von vorneherein scheitern, denn Gott kann man nicht mit seinem eigenen Wort auf einen Widerspruch führen, schon definitionsgemäß birgt Gottes Wesen keinen Widerspruch.
Kleines Beispiel. Röm 3,20: "So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, alleine durch den Glauben." Und scheinbar genau andersherum Jak 2, 24: "So seht Ihr nun´, daß der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein." Das ist durchaus ein bedeutender Widerspruch, denn "gerecht werden" ist gleichbedeutend mit "in den Himmel kommen", also das, was wir uns alle wünschen. Wenn man nun anfängt, diesen scheinbaren Widerspruch dadurch aufzuklären, daß man die unterschiedliche Sichtweise des jeweiligen Autors mit einbezieht, dann ist man schon auf dem Holzweg, denn solche Erklärungsversuche berücksichtigen nicht, daß alle Schrift von Gott inspiriert ist (vgl. z.B. 2. Tim 3,16). Ein solcher Interpretationsversuch ist also im Wiederspruch zu Gottes Wort selbst, von daher zwangsweise falsch.
Ich habe an anderer Stelle hier auf dieser Homepage einen Artikel begonnen, der sich mit solchen scheinbaren Widersprüchen in Bezug auf Gottes Wesen selbst beschäftigt. Bitte folgen Sie dem Link unten. Der betreffende Artikel ist absichtlich nicht in der Rubrik "Der schmale Weg", denn er ist zwangsweise überlagert von meiner eingeschränkten Erkenntnis. Von daher steht der Artikel unter "Erkenntnisse und Zeugnisse".